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DDR-Literatur

Erich Loest "Der elfte Mann"



Dieses Jugendbuch aus der DDR erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der studiert und nebenher semi-professionell Fußball im Verein spielt. Das eine ist vom Vater aufgedrückt, das andere seine Leidenschaft. Doch bald schon muss er feststellen, dass beides zusammen nicht so recht funktioniert.
Und dann steht er vor der Qual der Wahl: sein Trainer schlägt ihn für ein professionelles und intensives Fußballtraining vor und sein Professor will ihn an einem Mathekurs für Fortgeschrittene teilnehmen lassen. Was soll er tun??
Als Zugabe steht der Protagonist auch noch zwischen zwei Frauen: eine die er leicht haben kann, aber aus genau dem Grund gar nicht mehr so richtig will. Und eine andere, die zurückhaltender, kein Fußball-Fan und viel schwerer zu erobern ist. Und dadurch viel viel interessanter für ihn. Männer eben...

Gelesen: September 2003
2.6.05 21:15


Benno Pludra "Haik und Paul"



Eine Sommerliebe am Meer, beschrieben von Benno Pludra. Seines Zeichens ein bekannter DDR-Kinderbuchautor, die meisten seiner Bücher wurden auch verfilmt (weiß allerdings nicht, ob dieses ebenfalls verfimt wurde oder nicht).
Paul zeltet auf der kleinen Insel Hiddensee und eines Tages läuft ihm ein junges Mädel mit Ringel-Shirt und Kurzhaarschnitt über den Weg. Und als er ihren Namen erfährt denkt er sich "Haik und Paul, das klingt doch gut zusammen, oder nicht?". Aber bis man wirklich von einem 'zusammen' sprechen kann muss Paul erstmal seine Eifersucht überwinden, denn natürlich ist er nicht der einzige dem Haik ins Auge gestochen ist. Es fällt übrigens gar nicht auf, dass die Geschichte in den 50er Jahren spielt, Liebe ist eben zeitlos.
Bemerkenswert ist , dass gar nicht weiter drauf eingegangen wird, dass Haik aus Hamburg kommt und Paul aus der DDR, was eine weitere Liebesbeziehung sowieso erschweren würde. Und das Ende ist auch recht offen, man weiß nicht wirklich wie es weitergeht. Und es gibt noch nicht mal EINEN Kuss auf den 120 Seiten. Sowas aber auch. Und trotzdem ist es eine schöne Liebesgeschichte!

Gelesen: April 2004
2.6.05 21:10


Christa Grasmeyer "Aufforderung zum Tanz"



Bettina kommt mit 17 Jahren nach Berlin, um Ballett-Tänzerin zu werden. Neben der harten Ausbildung hat sich aber auch noch mit der Liebe zu kämpfen. Erst ist alles rosig, als sie Arne kennenlernt. Als dieser dann zur Armee muss, vermisst sie ihn einerseits und fragt sich andererseits, ob er ihr denn auch treu ist oder sich nicht – wie man ja oft von Soldaten hört – mit anderen Mädels vergnügt. In einer alkoholreichen Nacht ist sie es dann allerdings, die Arne Grund zur Eifersucht gibt...

Am besten gefällt mir folgendes Zitat, in dem Bettinas Freundin Nathalie die Beziehung zu ihrem letzten Freund Chris erklärt:
„Es ist so ähnlich, als wenn du ein Buch durchgelesen hast und von vorn anfängst. Allmählich kommen lauter Wiederholungen. Wir machen dies, wir machen das, und immer öfter denkt jeder für sich: Ja, das hatten wir schon.“
Meinem Liebsten und mir ist auch schon oft aufgefallen, dass sich gewisse Dinge in unserem Leben wiederholen. Meist fällt sowas bei regelmäßigen Veranstaltungen auf: im Sommer sind wir beim Donauinselfest, im Herbst in Pardubice, im Winter auf dem Weihnachtsmarkt. Jedes Jahr dasselbe – dennoch habe ich bisher noch nicht das Gefühl, dass das schlecht ist. Ganz im Gegenteil freuen wir uns, dass wir es geschafft haben, uns ein weiteres Jahr zu ertragen. :-)

Gelesen: August 2004
2.6.05 21:04


Erwin Strittmatter "Tinko"



Dies war das Lieblingsbuch meiner Mutter als sie ein Kind war. Und ich habe immer noch ihre alte Ausgabe, die ich nun im Februar endlich mal gelesen habe.

Das ganze spielt Mitte der 50er Jahre im brandenburgischen. Tinko lebt bei seinen Großeltern, weil seine Mutter tod und sein Vater noch in Russland ist. Er verbringt mehr Zeit draußen auf dem Feld als in der Schule und bleibt deswegen sogar sitzen. Das einzige was Tinko richtig gut kann sind Gedichte aufsagen. Sein Großvater hält allerdings gar nichts von diesem Mumpitz und wirft seinen Gedichtband in den Ofen.
Als sein Vater nach Hause zurückkehrt, ist er für ihn lange Zeit nur der "Heimkehrer", ein Fremder den er vorher noch nie gesehen hat. Der Vater versucht vergeblich, eine Bindung zwischen ihm und dem Jungen aufzubauen. Ebenso vergeblich versucht er seinen Vater zu neuen Landwirtschaftsmethoden zu überreden. Doch der beharrt stur auf dem, was er schon immer getan hat und braucht erst recht nicht die Unterstützung der Bauernhilfe. Über kurz oder lang haben sich die beiden sturen Männer zerstritten. Der Großvater setzt nun alle Hoffnungen auf den zweiten Sohn, der ein würdevollern Erbe für den Hof sein soll. Als der endlich heimkehrt aus der Gefangenschaft, will er davon nichts wissen. Nun ist der Großvater mit seinem Latein am Ende...

Ich denke, meine Mutter fand das Buch zum Teil deshalb gut, weil sie den Strittmatter auch mal kennengelernt hat. Der wohnte nicht weit entfernt und kam zu einem Pioniernachmittag mit dem Pferd angeritten. Ich fragte sie, warum sie sich dann ihr Buch nicht hat signieren lassen. Aber sowas war für kleine Mädels damals nicht wichtig.
Zum anderen spiegelt es auch in Teilen ein bißchen ihre eigene Geschichte war. Mit dem vielen ackern auf dem Feld, immer nach der Schule den Eltern bei der Feldarbeit helfen. Und auch mein Großvater drohte ihr wohl, dass er das Buch in den Ofen schmeißt wenn sie es noch einmal lesen würde. (Keine Ahnung, wie oft sie es da schon gelesen hatte). Er hat es natürlich nicht getan, denn im Unterschied zu Tinko's Großvater war mein Großvater auch ein Büchernarr. Als Lehrer hang er aber meist über Lehrbüchern.

Und mir ist dann noch aufgefallen, dass auch meine Heimatstadt kurz erwähnt wird. Wußte meine Mutter gar nicht mehr. Als sie das damals las hätte sie wahrscheinlich nicht gedacht, dass sie da später mal hinziehen würde und es sich deshalb nicht gemerkt. "Naja, dann werde ich es wohl mal wieder lesen müssen", meinte sie dann. Hab ich ihr wenigstens einen guten Grund gegeben, das Buch nach fast 40 Jahren mal wieder zu lesen.

Gelesen: Februar 2004
2.6.05 17:13


Jana Hensel "Zonenkinder"



Ein Mädel, kaum älter als ich, berichtet über ihre Kindheit die sie in der damaligen DDR verbracht hat. Das ganze ist kein Roman sondern mehr eine Ansammlung von kleinen Essay-ähnlichen Kapiteln.
Da wir beide wie gesagt fast gleichaltrig sind, sind ihre Erlebnisse fast auch meine Erlebnisse und wirklich hab ich mir auf fast jeder Seite gedacht: genau so war es.
Ich stimme nicht ganz mit ihrer Ansicht überein, wie wir uns damals und nach der Wende selbst gesehen haben. Sowas ist immer subjektiv, da kann man kaum übereinstimmen.
Aber die Dinge die sie aufzählt, die wir damals hatten, die uns wichtig waren, unsere Vorbilder, unsere Rituale, unsere Festtage - all das hat sie genau so beschrieben, wie ich es in Erinnerung habe. Franzi war unser Vorbild (zwar erst nach der Wende, aber immerhin), genauso wie die FDJler, die wir total cool fanden wenn sie beim Fahnenappell "Freundschaft" grummelten. Ich hab Trommel + Frösi gelesen, war Gruppenratsvorsitzende, hab Altpapier zur SERO gebracht. Am 13. Dezember war auch in unserer Schule eine große Party, ich hab Alfons Zitterbacke, Ottokar Domma und Ich bin die Nele gelesen. Trotzdem - nicht unbedingt heimlich - auch Westfernsehen geschaut und war neidisch auf die, die mit Tintenkiller und pinkfarbenem Radiergummi zur Schule kamen. Ein schönes Sammelsarium voller DDR-Details.

Ich kann dieses Buch empfehlen für alle, die ebenfalls in der DDR aufgewachsen sind und sich auf nostalgische Weise zurückerinnern wollen und auch allen anderen, die einen kleinen Einblick in die Alltagswelt der DDR haben möchten.

Gelesen: Juli 2003
2.6.05 17:11





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