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Carlos Ruiz Zafón "Der Schatten des Windes"

Eines mal voraus: der Klappentext des Buches ist etwas misleading. Dort steht, dass Daniel immer tiefer in die faszinierende Handlung des Romans eintaucht, das er als 10-Jähriger vom "Friedhof der vergessenen Bücher" gerettet hat. Insofern hört es sich ein bißchen wie "Lost in a good book" von Jasper Fforder an. Dem ist aber nicht so.
Daniel ist zwar fasziniert von seinem neuen Lieblingsbuch, aber viel mehr ist er auf der Suche nach dem Autor, der auf mysteriöse Weise von der Bildfläche verschwunden ist und von dem es kaum irgendwo Bücher aufzutreiben gibt. Und so macht sich Daniel auf eine mehrere Jahre dauernde Suche nach diesen Julián Carax und trifft dabei auf verschiedene Menschen aus Juliáns Vergangenheit die ihm alle ein Puzzlestück der Geschichte liefern. Bald muss Daniel allerdings feststellen, dass außer ihm auch ein gefährlich ausschauender Polizei-Inspektor auf der Jagd nach Carax ist, und so wird auch die Luft für Daniel immer dünner. Und so ganz nebenbei entstehen in Daniel's Privatleben immer mehr Parallelen zu Carax' Leben. Und das Buch entwickelt sich zu einem spannenden Krimi, das immer wieder neue Überraschungen und Verwicklungen bereit hält.
Ich konnte das Buch leider nicht in einem Rutsch durchlesen, dazu hat es doch zu viele Seiten und mir fallen abends schon immer die Augen zu. Aber spätestens ab der Hälfte des Buches wird es unglaublich spannend und man will unbedingt wissen wie das Ganze nun ausgeht bzw aufgelöst wird. Deshalb hab ich in den letzten beiden Tagen insgesamt dann auch die letzten 300 Seiten des gut 560 dicken Wälzers gelesen. Und war mit dem Ende dann doch sehr zufrieden.
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Joseph O'Connor (Hg.) "Yeats ist tot!"
Fünfzehn irische Autoren schreiben zusammen einen ziemlich skurrilen Kriminalroman. Jeder ein Kapitel, bei dem sowohl die Leser als auch die einzelnen Charaktere rätseln müssen was die Formel Y8S=+! bedeutet und wofür sie überhaupt gut ist.
Auf dem Weg zur Lösung des Falles kommen einige Menschen zu Tode, andere finden neue Identitäten oder Lebensphilosophien. Und mittendrin der wohl berühmteste irische Dichter James Joye.
Zuallererst muss ich mal sagen, dass ich vom Schreibstil her nicht so große Unterschiede zwischen den einzelen Autoren gemerkt habe. Ich habe zwar auch keinen großen Augenmerk darauf gelegt, aber beim Lesen fielen mir keine großen Brüche auf. Was natürlich dem Lesen entgegen kam.
Was jedoch zu merken war: jedes Kapitel verfolgte eine andere Figur und dessen Verwicklung in der Geschichte weiter. So als ob jedes Kapitel aus der Perspektive einer anderen Figur geschrieben wurde, somit die erste Hälfte der Kapitel.
In der zweiten Hälfte des Buches ist die Geschichte dann mit großen Schritten vorangeschritten, es gab noch mehr Morde und noch mehr Verwicklungen.
Was ich mich die ganze Zeit gefragt habe: war die Story-Outline irgendwie vorgegeben, oder hat wirklich einfach jeder Autor sein Kapitel und die vorhergehenden an den nächsten weitergegeben. Ganz pragmatisch gesehen muss ja eine Art von Plan dagewesen sein, denn am Ende mussten ja alle kleinen Plots aufgelöst werden und das Verwirrknäuel säuberlich entwirrt sein.
Vom Hocker gerissen hat es mich nicht, aber es war ganz nett zum Lesen und auch mal eine ungewöhnliche Kriminalkomödie kann man fast sagen. Für Fans der irischen Schriftsteller ist es sicher ein Muss, da hier wirklich 15 aktuelle Top-Schriftsteller aus Irland versammelt sind.
Gelesen: 2005
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H.G. Wells "The Time Machine"
H.G. Wells ist der Erfinder von Science-Fiction-Romanen. Für eine Literaturvorlesung habe ich einiges von ihm gelesen, u.a. eben auch dieses Buch hier.
Ein Erfinder, der Time Traveller, baut eine Art Fahrrad, mit dem er durch die Zeit reisen kann. Bei einer seiner Reisen landet er fast 1 Mio Jahre in der Zukunft, und findet eine vollkommen andere Zivilisation vor. Die Lebewesen sind in 2 Rassen gespaltet: die Eloi (liebenswert, naturverbunden, aber auch schwach) und die Morlocks (bösartig, leben in Höhlen unter der Erde und ernähren sich von Elois). Als die Morlocks die schöne Eloi Weena verschleppen - die einzige, die noch die alte Sprache des Time Travellers spricht und ihm deshalb auch sehr nahe gekommen ist - macht sich der Gast aus der Vergangenheit auf, um seine Freundin zu befreien.
Hinter der ganzen Story liegt eine Kritik an der damaligen Gesellschaft (1895) und vor allem der Industrialisierung.
Wells verleiht der Geschichte durch eine Rahmenhandlung bewußt den Anspruch von Faktizität.
Gelesen: Januar 2005
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Jiliane Hoffmann "Cupido"
Eine Jurastudentin wird in ihrem Apartment in NYC brutal vergewaltigt und gefoltert. Der Täter kann nie gefasst werden, er versteckte sich hinter einer Clownmaske und hinterließ keinerlei biologische Spuren.
12 Jahre später ist die Jurastudentin Staatsanwältin C.J. Townsend in Florida und gemeinsam mit der Polizei hinter einem Serienmörder her, der junge hübsche Blondinen kidnappt, gefangenhält, vergewaltigt und schließlich auf bestialische Weise umbringt: indem er ihnen bei lebendigem Leibe das Herz aus der Brust schneidet.
Endlich kann ein Verdächtiger gefasst werden. Im Gerichtssaal erkennt C.J. im Angeklagten die Stimme ihres Peinigers. Nun will sie erst recht alles daran setzen, dass er für seine Taten in der Todeszelle schmoren muss, auch wenn sie dafür Beweise fälschen muss.
Richtig wütend gemacht hat mich beim Lesen mal wieder das komische Rechtssystem der USA. Dort darf zwar jeder Bürger eine Waffe tragen und z.B. in Florida schießen dürfen wenn sie sich auch nur im Entferntesten bedroht fühlen.
Auf der anderen Seite sind Fahrzeugkontrollen rechtswidrig, wenn der Fahrer keine Verkehrsregel mißachtet hat. Falls doch kontrolliert wird, darf nichts was gefunden wird gegen ihn verwendet werden. Auch wenn eine Leiche im Kofferraum gefunden wird, man kann das alles nicht gegen ihn verwenden.
Eine andere Sache, die mir in letzter Zeit in vielen Büchern aufgefallen ist: das FBI kann niemand leiden, und die örtliche Polizei schon gar nicht. Stattdessen steht man sich gegenseitig im Weg. In meinen Augen hat das alles damit zu tun, dass es in den USA diesen 'Starkult' gibt. Wer solch einen brisanten Fall löst, dessen Name wird im ganzen Land bekannt (worauf natürlich jeder aus ist). Ich kann mich aus Deutschland an keinen einzigen Ermittler erinnern, der mal einen spektakulären Fall gelöst hat.
Zum inhaltlichen: spannend bis zum Schluß, obwohl ich die Überraschung die der dritte Teil des Buches bereit hält vorher geahnt habe. Tat der Spannung aber keinen Abbruch, hab nur darauf gewartet dass C.J. und Dominick auch endlich drauf kommen.
Gelesen: November 2005
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Ruth Picardie "Es wird mir fehlen, das Leben"
Die Journalistin Ruth Picardie fällt aus alle Wolken als bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wird. Ihre Krankheit schreitet rapide schnell voran. Schon bald hat sie nicht mehr die Kraft, ihr normales Leben fortzuführen, ihre vielen Freunde zu treffen. Stattdessen behilft sie sich mit E-Mails, um mit der Außenwelt noch einigermaßen in Kontakt zu bleiben.
Einige von diesen E-Mails sind in diesem Buch abgedruckt, veranschaulichen die letzten Monate von Ruth. Leider erlebt Ruth den ersten Jahrestag ihrer Diagnose nicht mehr.
Für ihre Verwandten ist es eher eine Erlösung, da Ruth zum Schluß nicht mehr dieselbe war wie vor ihrer Krankheit und sie auch nicht wollten, dass sie leidet.
Für Ruth war es am schlimmsten, ihre Zwillinge nicht aufwachsen zu sehen und nicht zu wissen, ob Schwester Hathaway und Doktor Ross letztendlich doch glücklich werden.
Ein sehr berührendes Buch, ohne kitschig zu sein. Ganz im Gegenteil, Ruth schreibt über ihre Krankheit und ihre Begleiterscheinungen eher zynisch als mitleidsheischend. Und es wird einem einmal mehr bewußt, dass Krebs jeden treffen kann, überraschend und unerwartet.
Gelesen: September 2005
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Alexander McCall Smith "Ein Koch für Mma Ramotswe"
Dritter Fall von Mma Ramotswe, die in der Hauptstadt von Botswana eine Detektei aufgemacht hat. Bei der Lösung ihrer Fälle hilft Mma Makutsi, die außerdem noch die Werkstatt von Mma Ramotswes Verlobten auf Vordermann bringt. Dort hat die weibliche Hand im Büro schon lange befehlt.
Die Bücher dieser Reihe sind keine Krimis, hier geht es nicht um Mordfälle oder ähnlich schwerer Delikte. Stattdessen wollen die Mandaten häusliche Probleme geklärt haben oder wissen, wer sich am besten als nächste Schönheitskönigin eignet. Mit gesundem Menschenverstand und guter Menschenkenntnis können alle Fälle zur Zufriedenheit aller gelöst werden.
Ich habe bisher kaum einen Roman gelesen, der im neuzeitlichen 'zivilisierten' Afrika spielt. Insofern konnte ich viel über diese Kultur dort lernen. Ich denke sogar, dass das eine Intention des Autors war - den Lesern die Menschen aus Botswana näher bringen.
Gelesen: November 2005
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Hab mal einen kleinen Test gemacht, in welchen klassischen Roman ich gehöre. Raus kam:
 I believe you belong in Pride and Prejudice; a world of satire and true love. A world where everything is crystal clear to the reader, and yet where new things seem to be happening all the time. You belong in a world where your free-thought puts you above the silly masses, and where bright eyes and intelligence are enough to attract the arrogant millionaire/prejudiced young woman of your choice.
Which Classic Novel do You Belong In? brought to you by Quizilla
Ich besitze zwar alle Romane von Jane Austen, aber bis jetzt bin ich doch tatsächlich noch nie dazu gekommen, auch nur einen davon zu lesen. Obwohl ich es oft vorhatte.
Diesen Film hier will ich mir eh bald im Kino anschauen, und danach dann auch das Buch lesen. Das hab ich mir so zur Regel gemacht: nach Möglichkeit erst den Film sehen und dann das Buch lesen, dann kann es nur besser werden. Andersherum ist man manchmal doch bitter enttäuscht.
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Alexander Rentsch "Rivalen der Rennbahn"
Erfolgsjockey Christian Adler wird langsam älter, die Erfolge bleiben aus. Da beschließt er, mit einem alten Freund einen eigenen Reitstall zu betreiben und erfolgsversprechende Pferde sowie Jockeys heranzuzüchten. Doch dieser Weg ist mit einigen Hürden gepflastert.
Das Buch erzählt die ersten Folgen der Fernsehserie ziemlich detailliert nach. Gewundert hat mich, dass es kein zweites Buch gibt für den Rest der Geschichte. Und Samurai, das Pferd dem in der Serie die meiste Aufmerksamkeit galt (und auch der tolle Song von Nino de Angelo), hat hier nur einen kleinen Auftritt.
Ich würde übrigens meinem Mann auch nicht mehr verzeihen, nachdem ich ihn mehrmals inflagranti erwischt hätte. Wieso die Baronin dennoch versucht, Monika Adler zu überreden doch ihrem Mann noch eine Chance zu geben, verstehe ich nicht so ganz.
Irgendwie ganz nett fand ich die kleine Episode, wo der Polizist den verwahrlosten Betrunken nach Hause begleitet. Weiß nicht, aber glaube nicht dass das in Wirklichkeit auch vorkommen würde.
Insgesamt gesehen ist das Buch was Nettes zum Lesen für zwischendurch. Gespickt mit kleinen Intrigen, aber wirklich nur so klein dass man kein Herzrasen beim Lesen bekommt (wie bei einigen Thrillern...)
Gelesen: April 2005
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Jane Smiley "Tausend Morgen"
Um die Erbschaftssteuer zu umgehen, schenkt der geizige Farmer Laurence Cook sein Land - Tausend Morgen groß - seinen drei Töchtern bereits vor seinem Tod. Die jüngste ist nicht wirklich an dem Land interessiert, sie macht als Anwältin in der Stadt Karriere. Die beiden älteren Töchter Ginny und Rose bewirtschaften das Land zusammen mit ihren Ehemännern, und wollen nun über 'ihr' Land auch selbst bestimmen. Doch der Vater will sich die Funktion des Oberhäuptlings nicht so leicht nehmen lassen und braust auf. Mit Hilfe der jünsten Tochter strengt er einen Prozess gegen die anderen zwei an, um sein Land zurück zu bekommen. Dieser Zwist zerstört die gesamte Familie.
Die Geschichte wird aus der Sicht der ältesten Schwester erzählt. Seit langem verheiratet beginnt sie aus heiterem Himmel eine Affäre mit einem Nachbarn und sieht schon eine neue Zukunft vor sich. Doch dann wendet sich der Nachbar lieber der anderen Schwester zu, die Eifersucht entzweit die sich einst liebenden Schwestern. Zeitgleich erinnert sich beide an Dinge, die sie lange Zeit verdrängt hatten: was ihr Vater ihnen in ihrer Jugend angetan hat. Nachdem die Mutter früh verstorben ist, holte sich der Vater die Streicheleinheiten und mehr in ihren Betten. Aber dieser Aspekt des Vergewaltigung/Inzest ist nur ein Bruchteil der Geschichte, die sehr vielschichtig ist.
Gut gefallen hat mir, dass einzelne Charaktere nicht einfach nur schwarz/weiß waren, sondern mitunter sehr vielseitig. Dennoch fand ich das Buch nur mäßig gut. Die ersten 200 Seiten sind ziemlich mühsam, etwas zu langatmig. Die letzten 100 Seiten waren für mich am spannendsten, da ist dann wirklich allerhand passiert.
Gelesen: Juni 2005
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Anna Quindlen "Familiensache"
Kate und Ellen Gulden hatten nie eine besonders enge Beziehung zueinander. Wie viele Töchter war Ellen eher 'Papa's Mädel' und immer darauf bedacht, ihm zu gefallen. Kate hingegen war einfach die liebevolle Hausfrau und Mutter, die immer da war und alles ungefragt erledigte; die aber nie aus ihrem Schatten heraus trat.
Nachdem Ellen ihr College beendet hat und gerade einen guten Job bei einer Zeitschrift gefunden hat, bekommt ihre Mutter eine schreckliche Diagnose: sie hat Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Und benötigt die Hilfe ihrer Tochter, so jedenfalls will es der Vater. Ellen ist gar nicht begeistert davon, ihr Leben in New York aufzugeben, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Aber sie macht es dennoch, denn eines ist sie nicht: herzlos.
Während der nächsten Wochen und Monate pflegt sie also ihre Mutter, und lernt sie dabei besser kennen als in ihren 24 Jahren zuvor. Gerade mal ein halbes Jahr nach der Diagnose stirbt Kate, für sie ist es zu dem Zeitpunkt eine Erlösung von ihren mittlerweile unerträglichen Schmerzen.
Bei der Obduktion wird festgestellt, dass Kate an einer Überdosis Morphium starb. Da Ellen sich rund um die Uhr um sie kümmerte, wird sie dann unter Mordverdacht verhaftet. Wollte sie ihre Mutter von ihren Schmerzen befreien und leistete unerlaubte Sterbehilfe?
Dieses Buch brachte mich stellenweise sehr zum Nachdenken. Nicht wegen der Krankheit, sondern weil ich mich oft fragen musste, ob ich meiner Mutter oft genug zeige dass ich sie lieb habe und dankbar bin, dass sie mich so gut aufgezogen hat und ich eine behütete Kindheit hatte. Macht man viel zu selten, und ich bin auch keine Person, die ihre Gefühle immer so direkt ausdrückt. Aber man kann es sich ja mal vornehmen.
Gelesen: Oktober 2005
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Thomas Glavinic "Der Kameramörder"
Ein Ich-Erzähler berichtet sehr detailliert über ein Osterwochenende in der Weststeiermark, und was er dort so alles getan und erlebt hat. Und zwar wirklich detailliert, er beschreibt ganz genau was er gegessen, was wer wann gesagt hat, wann er aufs Klo ging.... Da das Buch den Anschein eines "Tatsachenromans" erwecken will, und der Ich-Erzähler demnach kein professioneller Autor sondern ein ganz normaler Mann sein soll, ist der Stil anfangs auch etwas gewöhnungsbedürftig. Die Sätze sind eher kurz und abgehakt.
Bestimmendes Ereignis an diesem Osterwochenende ist ein Mord an 2 Kindern. Vor allem die Art und Weise des Mordes ist sehr ungewöhnlich: während der Täter alles mit einer Videokamera filmte, machte er die Kinder mit psychologischer Raffinesse mürbe und zwang sie, sich selbst umzubringen. Die Medien berichten non-stop über das Großereignis und wollen dann auch das ihnen zugespielte Mord-Video ausstrahlen.
Überraschend ist dann vor allem das Ende. Für mich ist es nicht ganz klar, was das zu heißen hat. Heißt das, diese Person ist wirklich der Kameramörder oder aber hat sich diese Person durch die permanenten Medienberichte so mit dem Fall identifiziert, dass die Person mittlerweile selbst glaubt, der Kameramörder zu sein?
Gelesen: Oktober 2005
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Maureen Martella "Maddy räumt ab"
Maddy ist gerade mal 33, aber es scheint so als ob sie das Leben schon hinter sich hätte. Mit ihrer herrischen Mutter, ihrem ungeliebten Ehemann und ihren häßlichen Zwillings-Söhnen lebt sie auf einer Farm in Irland und ist eher frustiert und gelangweilt. Da kommt ihr die Einladung ihrer Schwester gerade recht.
Diese ist nämlich vor 20 Jahren von dem elterlichen Anwesen geflüchtet um ihr Glück in der großen weiten Welt zu suchen. Gefunden hat sie es in Hollywood, wo sie als erfolgreiche Drehbuchautorin Millionen verdient, in einer prächtigen Villa wohnt und deren Freund der hinreißende Schauspieler Carlos ist. Maddy fühlt sich wie im Himmel und sagt nicht nein, als ihre Schwester Gloria sie bittet, ihren Urlaub zu verlängern. Allerdings verfolgt Gloria damit auch einen ganz bestimmten Zweck: Maddy soll mit Carlos ein Kind zeugen, dass später dann von Gloria und Carlos adoptiert werden kann.
Sehr gut gefallen hat mir die Schreibweise der Ich-Erzählerin. Sehr erfrischend, sehr flott und sehr unterhaltsam. Schon allein deswegen machte mir das Lesen Spaß. Die Story war anfangs sehr interessant, die restlichen 50 Seiten machen zwar noch etwas gespannt auf das Ende, bringen ansonsten nicht mehr viel Neues.
Gelesen: Oktober 2005
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Burkhard Spinnen "Kalte Ente"
Die Geschichten handeln vom bundesdeutschen Durchschnittsbürger, dem zumeist irgendwelche negativen Dinge passieren. Etwas unvorhergesehenes tritt in das Leben, und erfordert außergewöhnliches Handeln, mit dem die Charaktere alle etwas überfordert sind. Mangels Fähigkeit einen kühlen Kopf zu bewahren kommt es zu unerwünschten Ereignissen.
Ein bißchen haben mich die Kurzgeschichten an die von T.C. Boyle erinnert, der auch den Durchschnitts-US-Bürger beschreibt und dem meist auch nur Negatives passiert. Die Geschehnisse sind natürlich grundverschieden, aber das Ergebnis doch irgendwie gleich: man ist nach dem Lesen eher in einer depressiven/melancholischen Stimmung. Natürlich geht nicht alles schlecht aus, aber es gibt eben auch kein reines Happy End. Was die Geschichten aber nicht schlecht macht, ganz im Gegenteil. Ich fand sie sehr gut. Nur sollte man nicht zuviel davon auf einmal lesen, das würde dann doch die Psyche angreifen.
Gelesen: Oktober 2005
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Odette Ferry "Ein Herz und eine Krone"
Prinzessin Anne ist auf Europa-Reise und macht auch in Rom hat. Irgendwann hat sie die Schnauze voll von dem starren Hofprotokoll und will endlich auch mal was von den Städten sehen, die sie besucht. Das wahre Leben spüren. Also büchst sie auch, um die ewige Stadt per pedes zu erkunden. Abends schläft sie völlig erschöpft bei den antiken Ruinen ein. Dort findet sie der Journalist Joe Bradley, der zu sehr ein Gentleman ist als sie dort ihrem Schicksal zu überlassen. Da die schöne Frau ihm nicht ihre Adresse nennen kann, muss er sie wohl zu sich nach Hause nehmen. Als er am nächsten Morgen mitbekommt, welch blaublütigen Fang er da gemacht hat, plant er eine geheime Exklusivstory über die schöne Prinzessin und spielt für sie den Touristenführer. Bei ihrem Bummel durch die Stadt entwickeln sich dann aber auf beiden Seiten unerwartete Gefühle.
Eine wunderschöne Liebesgeschichte. Der Film gehört zu einem meiner Lieblings-Klassikern, die ich gern an einem Sonntagnachmittag auf der Couch anschaue. Das Buch dazu ist nicht minder romantisch, und ich weiß auch gar nicht, was von beiden zuerst da war.
Gelesen: Juni 2004
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George Eliot "Silas Marner"
Silas Marner ist ein normaler Weber, der im England des 19. Jhd. ein normales Leben lebt. Doch dann wird er fälschlicherweise des Diebstahlts bezichtigt, verliert seine Würde und seine Braut. Gedemütigt und enttäuscht zieht er in das Dorf Raveloe, wo er von Anfang an ein Außenseiter ist. Da er den Menschen fortan nicht mehr vertraut, versteift er sich darauf, nur noch für seine Arbeit zu leben und sein ganzes Geld zu sparen. Viele Jahre später, als er schon einen kleinen Schatz angespart hat, wird ihm sein ganzes Geld gestohlen. Erst als er ein kleines Mädchen, desssen Mutter unweit seiner Hütte vor Kälte erfroren ist, zu sich nimmt und aufzieht lernt er, dass Liebe mehr wert ist als alles Geld der Welt. Bis der leibliche Vater des Mädchens eines Tages auftaucht.
Ich habe das Original gelesen und kam schwer rein. Die Sprache ist nicht einfach, viele Wörter kannte ich nicht. Zudem fand ich die ersten Kapitel nicht wirklich interessant, erst später wurde es spannender.
Für mich war die Moral der Geschichte, dass am Ende jeder das bekommt was er verdient - im positiven sowie im negativen.
Gelesen: Februar 2005
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